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Casta Diva

Vanessa Benelli Mosell (Klavier)

Decca (66’)

Wertung: 8

Für viele Pianisten ist es der Traum schlechthin, auf dem Klavier singen zu können. Nicht zuletzt einer der Größten unter den Größten, Frédéric Chopin, war Dauergast der Pariser Oper, um hier sowohl den Sängern als auch Komponisten wie Rossini, Bellin oder Donizetti ihre Geheimnisse abzulauschen. Vollständig in die Welt der italienischen Oper eingetaucht ist in seiner Nachfolge die Pianistin Vanessa Benelli Mosell, die eine der schönsten Belcanto-Herrlichkeiten bereits im Titel ihres neuen Album verewigt hat: Casta diva, die Titelheldinnen-Arie aus Bellinis Norma, die in der Thalberg-Bearbeitung einen kantablen Schmelz entfaltet. Das Album steckt voller lyrischer Preziosen wie die nahe am Original angesiedelten Carignani-Fassungen der beiden La bohème-Arien, in denen das assoziative Spiel Benelli Mosells gleichsam Text und szenische Aktion nachzubilden scheint – eine Art „Oper ohne Worte“. Doch auch den artistischen, spektakelhaften Aspekten der Kunstform wird die Italienerin gerecht, in ihrer atemberaubend-virtuosen Interpretation von Liszts Rigoletto-Paraphrase und der Réminiscences de Norma. Einzig das ebenfalls von Liszt bearbeitete Finale der Wilhelm Tell-Ouvertüre am Schluss des Albums klingt etwas steif und will nicht recht zünden.

Stephan Schwarz-Peters

 

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