Czerny

Romantic Piano Fantasies on Sir Walter Scott’s novels

Pei-I Wang, Samuel Gingher (Klavier)

Naxos (80‘)

Wertung: 7

Die Erinnerung an den eigenen Klavierunterricht verführt dazu, Carl Czerny schon aus Rachegründen der Vielschreiberei zu bezichtigen. Das mag gemein sein, doch tut man dem beethovengeschulten Guru der Klavierpädagogik garantiert kein Unrecht, wenn man ihn als Vielleser bezeichnet. Wie er dazu auch noch kam, bleibt angesichts seiner zahlreichen Tätigkeiten und des über 800 Einträge enthaltenden Werkkatalogs ein Rätsel. Zu seiner bevorzugten Lektüre gehörten die damals schwer modernen Historienromane des Schotten Walter Scott, die Czernys Sinne derart beflügelten, dass er vier davon (darunter den berühmten Ivanhoe) als Grundlage für ausgedehnte musikalische Gemälde für Klavier zu vier Händen auswählte. Mit ihrer Weltersteinspielung dieser „romantischen Fantasien“ leistet das Klavierduo Pei-I Wang und Samuel Gingher echte Pionierarbeit. Ohne sich vor Originalität zu überschlagen, zaubert der Komponist mit den stilistischen Mitteln seiner Zeit eine plastisch erzählende Klangkulisse, die das junge Pianisten-Gespann mit bunten Farben und Effekten zum Leben erweckt. Gerade durch die etwas apokryphe Verbindung zwischen Musik und Literatur eine Bereicherung des Repertoires.

Stephan Schwarz-Peters

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